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Insights · Cybersecurity

Cybersecurity-Checkliste 2026 für Schweizer KMU

Die 12 Massnahmen, die in der Praxis 80 % aller Vorfälle abdecken — mit konkreten Kosten in CHF, realistischem Aufwand und Bezug zu NCSC, EDÖB und revidiertem DSG. Geschrieben aus 15 Jahren KMU-IT-Praxis im Wirtschaftsraum Zürich.

Veröffentlicht 4. Mai 2026 · Lesezeit 12 Min · Mixel IT Redaktion

Wenn wir bei einem neuen KMU-Kunden mit dem Erstaudit beginnen, sind die ersten Findings selten exotisch. Es sind dieselben zwölf Punkte, die in 90 % der Fälle fehlen oder unvollständig umgesetzt sind. Diese Liste deckt davon den Grossteil ab — priorisiert nach Wirkung pro Investition. Punkte 1–4 stoppen die häufigsten Angriffe; Punkte 5–8 schliessen die zweite Lücke; Punkte 9–12 bringen Sie auf das Niveau, das Banken, Versicherungen und EDÖB-Audits erwarten.

Wichtig: Diese Liste ist eine Praxis-Hilfe, kein juristisches oder regulatorisches Audit. Branchenspezifische Anforderungen (FINMA für Banken, BAG für Spitäler, FADP für Apotheken) gehen vor und brauchen einen separaten Compliance-Check.

1

Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) erzwingen — überall

Beginnen Sie hier. 99 % der erfolgreichen Account-Übernahmen scheitern an MFA. Erzwingen Sie es für Microsoft 365 / Google Workspace, VPN, Banking, Buchhaltungssoftware und alle Admin-Konten. Idealerweise mit FIDO2-Sicherheitsschlüsseln (YubiKey) für Geschäftsleitung und IT-Admins.

Aufwand: 1–3 Tage
Kosten: CHF 0–50 pro Nutzer (FIDO2-Schlüssel)
2

Endpoint Detection & Response (EDR) statt nur Virenscanner

Klassisches Antivirus erkennt Ransomware oft erst, wenn sie schon läuft. EDR-Lösungen (Microsoft Defender for Business, SentinelOne, CrowdStrike) erkennen Verhaltensanomalien und stoppen Angriffe in Sekunden. Pflicht ab ungefähr 10 Geräten.

Aufwand: 1–2 Wochen Rollout
Kosten: CHF 8–15 pro Gerät und Monat
3

Backups in der 3-2-1-Regel — und regelmässig testen

Drei Kopien, zwei verschiedene Medien, eine offsite. Bei Cloud-Backups: prüfen Sie, ob Ransomware-Schutz («Immutable Backups») aktiv ist. Wichtigster Punkt: testen Sie Wiederherstellungen alle drei Monate. Ein Backup, das Sie noch nie restauriert haben, ist kein Backup.

Aufwand: Initial 1 Woche, dann quartalsweise prüfen
Kosten: CHF 4–10 pro Nutzer und Monat
4

Patch-Management mit harten Deadlines

Setzen Sie schriftliche SLAs: kritische Patches innerhalb 48 Stunden, hohe innerhalb 7 Tagen, normale innerhalb 30 Tagen. Automatisieren Sie Windows-Updates über Intune oder ein RMM-Tool. Nehmen Sie auch Drittanbieter-Software (Adobe, Java, Browser) mit auf.

Aufwand: Setup 2 Wochen, dann laufend
Kosten: Bereits in M365 Premium / RMM-Lizenz enthalten
5

Phishing-Simulationen alle 8–12 Wochen

Mitarbeitende sind die häufigste Einfallstür. Schulungen alleine wirken kaum — simulierte Phishing-Mails mit anschliessendem Mikro-Training senken die Klickrate nachweislich von 25 % auf unter 5 % innerhalb eines Jahres. KnowBe4, Hoxhunt oder Microsoft Attack Simulator sind etablierte Tools.

Aufwand: 30 Min pro Quartal
Kosten: CHF 4–8 pro Nutzer und Monat
6

Privilegierte Konten trennen — niemand arbeitet als Domain-Admin

Jeder Admin braucht ZWEI Konten: ein normales Tagesgeschäfts-Konto und ein separates Admin-Konto, das nur für administrative Tätigkeiten verwendet wird. Damit wird verhindert, dass eine kompromittierte Browser-Session die Domäne übernimmt.

Aufwand: 1 Woche
Kosten: Keine zusätzlichen Lizenzen
7

Verzeichnis aller Geräte und Software (Asset-Inventory)

Sie können nichts schützen, was Sie nicht kennen. Führen Sie ein lebendes Verzeichnis aller Endgeräte, Server, Cloud-Konten, Lizenzen und SaaS-Abos. Idealerweise automatisiert über Intune oder ein RMM. Beim Audit wird genau das als erstes verlangt.

Aufwand: Initial 2 Wochen
Kosten: Im RMM enthalten
8

Netzwerk-Segmentierung statt Flat Network

Trennen Sie Server, Mitarbeitende, Gäste-WLAN, Drucker und IoT-Geräte in getrennte VLANs mit Firewall-Regeln dazwischen. Wenn ein Drucker (notorisch unsicher) gehackt wird, soll er nicht die Buchhaltung erreichen können.

Aufwand: 1–4 Wochen je nach Komplexität
Kosten: Einmalig CHF 2'000–8'000 (Firewall + Konfiguration)
9

Cyber-Versicherung — aber realistisch

Eine KMU-Cyberversicherung kostet CHF 2'000–8'000 pro Jahr und deckt typische Schäden (Wiederherstellung, Betriebsunterbruch, Erpressung). Wichtig: Versicherer prüfen heute MFA, EDR und Backup-Tests. Ohne diese Basics gibt es entweder keinen Vertrag oder eine Ausschlussklausel.

Aufwand: 1 Termin mit Broker
Kosten: CHF 2'000–8'000 pro Jahr
10

Incident-Response-Plan auf einer A4-Seite

Wer ruft wen an, wenn morgen früh die Daten verschlüsselt sind? Schreiben Sie es auf — Telefonnummern von IT-Partner, Versicherung, NCSC-Meldestelle, externe Forensik. Ausgedruckt im Tresor (das E-Mail-Postfach ist mitverschlüsselt).

Aufwand: 2–4 Stunden
Kosten: CHF 0
11

Zero-Trust für Zugriff von extern

Klassisches VPN ist Auslaufmodell. Conditional Access (Microsoft Entra) oder Cloudflare Access prüfen jede Anfrage anhand von Nutzer, Gerät, Standort und Risiko-Score. Verdächtige Logins werden blockiert oder mit Re-Auth versehen, bevor sie überhaupt das Netzwerk erreichen.

Aufwand: 2–4 Wochen Rollout
Kosten: In M365 Business Premium enthalten
12

Jährliches externes Security-Assessment

Einmal pro Jahr lassen Sie einen externen Pentester / Audit gegen Ihre Umgebung laufen — extern (Web, Mail, VPN) und intern (Active Directory, Lateral Movement). Das findet, was Ihnen blinde Flecken sind. Kosten: CHF 4'000–12'000 für ein KMU-Assessment.

Aufwand: 1 Woche Aufwand
Kosten: CHF 4'000–12'000 jährlich

Schweizer Kontext: NCSC, EDÖB, revidiertes DSG

Drei Stellen sollten Sie kennen — und im IR-Plan haben:

  • NCSC (Nationales Zentrum für Cybersicherheit) — Anlaufstelle für Vorfallmeldungen, anonymisierte Lagebilder, kostenlose Hilfe in akuten Fällen. Siehe ncsc.admin.ch.
  • EDÖB (Eidg. Datenschutzbeauftragter) — Aufsichtsbehörde für das DSG. Datenschutz-Verletzungen müssen «binnen kurzer Frist» (Art. 24 DSG) gemeldet werden, wenn ein hohes Risiko besteht.
  • revidiertes DSG (in Kraft seit 1. September 2023) — fordert ein Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten, dokumentierte Sicherheitsmassnahmen und ggf. eine Datenschutz-Folgenabschätzung. Asset-Inventory (Punkt 7) ist die Basis dafür.

Häufige Fragen

Kostenloses Cybersecurity-Erstaudit für Ihr KMU

Wir prüfen die zwölf Punkte oben gegen Ihre aktuelle Umgebung — kostenlos, in 60 Minuten, mit konkretem Befund und Massnahmenplan. Kein Verkaufsgespräch, kein Druck. Sie bekommen das Audit als Bericht ausgehändigt — auch wenn Sie nicht mit uns weiterarbeiten.

Stand: Mai 2026. Preise sind Richtwerte für Schweizer KMU mit 10–100 Mitarbeitenden. Branchenspezifische Pflichten (Banken, Versicherungen, Gesundheit) werden hier nicht abgedeckt — wir empfehlen ein separates Compliance-Audit für regulierte Sektoren.